Wie, Sie kennen „Unsere Lieblinge" nicht? Dabei gibt es das Duo bereits seit 18 Jahren! Das ist dann wohl eine Bildungslücke? Ich kann Sie beruhigen: Auch mir waren die beiden bis zu ihrem Auftritt am letzten Montag im Henkel-Saal des Schlösser Quartier Bohème völlig unbekannt.
Center.TV ist vor Ort, aber die gesamte lokale Presse hat den Auftritt verschlafen. Oder findet sie ihn nicht berichtenswert? Jeck in Düsseldorf findet das schon! Auch wenn das Programm nichts mit Karneval zu tun hat.
„Unsere Lieblinge" sind Alex Haas am Kontrabass und Stefan Noelle am Minimal- Schlagzeug. Die beiden Münchener sind Vollblut-Musiker und lernten sich Ende der 80er Jahre in der Jazz-Szene kennen. Seit 1992 spielten sie als Duo über 1.500 Konzerte. Daneben wirken sie in verschiedenen Projekten für Theater und Film mit. Als Komponisten erhielten sie 2005 für „Aus der Tiefe des Raumes" eine Nominierung zum Deutschen Filmpreis.
„Adventssingen" lautet der Titel ihres Weihnachtsprogramms. Ich bin ein wenig skeptisch, ob und wie man mit dieser Instrumentierung Weihnachtslieder spielen kann. Und ob das ausreicht, einen ganzen Abend unterhaltsam zu füllen.
Rund 90 Zuschauer haben sich an diesem Abend im Henkel-Saal eingefunden. Schön, dass der große Saal mit Stellwänden abgeteilt ist, und mit den Teelichtern und den weißen Decken auf den Tischen kommt eine gemütliche Atmosphäre auf. Bei mir am Tisch sitzt eine ältere Dame, die etwas irritiert schaut. Sie verrät mir, sie sei in dem Glauben gekommen, es handle sich um ein Adventssingen mit verschiedenen Chören. Und nun stehen dort auf der Bühne der Bass und das Mini-Schlagzeug.
Unsere Lieblinge „verweben Winterliches, Weihnachtliches und Wunderliches und führen auch in stiller Nacht zusammen, was nicht zusammen gehört", so die Pressemitteilung. Und das beweisen sie gleich mit dem ersten Lied: Die sehr traditionelle Interpretation von „Es ist ein Ros' entsprungen" geht nahtlos über in „Spirit in the Sky" von Norman Greenbaum.
Ob Schlager, Volksmusik, Jazz, Swing, Folk, Pop und Rock, die beiden kennen kein Tabu. Wenn benötigt, werden Instrumente wie Trompete und Posaune mit der Stimme imitiert. „Blue Christmas" wird durch Jodler in die Alpen verlegt, und der Kontrabass wird bei „Es wird Nacht Señorita" zur spanischen Gitarre verwandelt. Man merkt, welchen Spaß die beiden Künstler selbst dabei haben. Und das Publikum hat ihn auch.
Ein Höhepunkt ist das Medley „Traumstraßen der Welt." Die Reise geht los mit „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt". Doch plötzlich biegen sie ab in die „Road to nowhere", nehmen Geschwindigkeit auf und kommen in sekundenschnelle von den „Streets of London" über den „Champs Elysées" zum „Broadway". Weiter geht es „Über sieben Brücken", und selbst vor dem „Highway to Hell" wird nicht angehalten. Auf diese Weise werden in knapp viereinhalb Minuten 26 Songs zu einem einzigen. Großartig! Die ältere Dame am Tisch ist schon längst nicht mehr irritiert, sondern erfreut.
Wie kann man das eigentlich beschreiben, was „Unsere Lieblinge" machen? Ist es Jazz? Swing? A Capella? Comedy? Kleinkunst? Wie soll man das nennen, wenn das Weihnachtslied „Little Drummer Boy" mit „Fernando" von ABBA verschmolzen wird? Oder wenn Stefan Noelle mit dem Schlagzeugbesen auf die Reise geht. Dabei trommelt er auf dem Bühnenboden und dem Bühnenbild, steigt herunter zum Publikum, bespielt Tische und Weingläser, und endet schließlich wieder auf der Bühne, um auf den Saiten des Kontrabasses zu „beseln".
„Wir passen in keine Kategorie" sagt auch Noelle. In der Tat fällt mir auch nichts annähernd Vergleichbares ein. „Unsere Lieblinge" als Coverband zu bezeichnen, würde ihnen nicht annähernd gerecht werden. Denn zu eigenständig und originell sind ihre Interpretationen, zu virtuos die Fähigkeiten an den Instrumenten - die bei einem Lied auch einfach mal getauscht werden.
Zu einem Programm, das „Adventssingen" heißt, gehört natürlich auch das gemeinsame Singen von klassischen deutschen Weihnachtsliedern. Bei der Zugabe ist es dann soweit. Doch wie es ihre Art ist, überraschen die Lieblinge abermals. Denn gesungen werden die Lieblingsstrophen der beiden, und das sind nicht die bekannten ersten Strophen, sondern die meist unbekannten dritten oder vierten. Als Hilfe werden die Texte an das Publikum verteilt. Die ältere Dame ist begeistert: Sie sieht und hört heute Abend nicht nur einen Chor, sondern ist sogar Teil desselben.
Seit diesem Abend sind „Unsere Lieblinge" auch meine Lieblinge. Bleibt zu wünschen, dass sie im nächsten Dezember wieder zum Adventssingen nach Düsseldorf kommen. Oder besser noch früher, mit einem anderen Programm.
Mehr unter: www.jeck-in-duesseldorf.de
„Unsere Lieblinge" sind Alex Haas am Kontrabass und Stefan Noelle am Minimal- Schlagzeug. Die beiden Münchener sind Vollblut-Musiker und lernten sich Ende der 80er Jahre in der Jazz-Szene kennen.